„Spirits“

ein einzigartiges Licht- und Klangerlebnis der Projektgruppe „Jugendarbeit“ St. Goar in der St. Martin-Kirche in Linz.

Linz. Einzigartig war das Licht- und Klangerlebnis, nicht nur für die alte St. Martin-Kirche, auch für die Besucher, das die Projektgruppe „Jugendarbeit“ St. Goar mit Hingabe und Passion inszenierte. Veranstalter waren die Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Linz-Unkel, der Förderverein St. Martin und die Pfarrgemeinschaft Dattenberg-Linz-Ohlenberg. Die alte St. Martin-Kirche erbebte von der vorwiegend im Fortissimo klingenden Musik und geriet fast aus den Fugen. Als dann das Gotteshaus in einer Sinfonie von Farben erleuchtete, was wohl in den vielen hundert Jahren zum ersten Mal geschah, dachte die alte Dame, nun geht die Welt unter. Doch als sie erfuhr, was junge Leute sich dabei einfallen ließen und von der „Schöpfung“, der „Liebe“ und dem „Himmel“ sprachen, da trat wieder Ruhe in ihr Herz ein und sie lauschte gespannt. Wo hat die Idee ihren Ursprung? Koordinator Matthias Olzem berichtete: „Wir hatten den Auftrag, für eine hundertjährige Kirche in Bad Salzig eine Aufführung zu konzipieren. Wir überlegten, was könnten wir inszenieren und wir kamen auf die Idee, durch Klangfarben, Lichteffekte Bibeltexte und eigene Inspirationen die „Schöpfung “, die „Liebe“ und den „Himmel“ darzustellen. Wir nannten unsere Konzeption „Spirits“. Ein Jahr haben wir gebraucht bis zur Uraufführung in der alten Kirche in Bad Salzig. Wir hatten eine tolle Resonanz.“ Erstens ist es gerade für Jugendliche erstaunlich und lobenswert, ihre Freizeit für ein solches Projekt zu opfern, statt sich, wie viele andere in Diskotheken oder auf Partys zu amüsieren. Zweitens ist das, was sie auf die Beine gestellt haben, sehr umfangreich und arbeitsintensiv, dass man sie nur bewundern und ihnen ein großes Kompliment aussprechen kann. Sie lasen abwechselnd. Allein der Auf- und Abbau ihres Szenariums dauert viele Stunden. Dieses Konzert ist ihr drittes, sie traten auch in St.Goar auf. „Spirits „ begann mit folgenden Prolog, den Carolin Henrich las: „Die St. Martin-Kirche wird 2006 achthundert Jahre alt. Seit Jahrhunderten kommen Menschen hier in diese Kirche, um zu beten, zu bitten, zu danken, um die Kraft des Geistes Gottes zu erahnen und für ihr Leben zu erspüren. ..Wir möchten uns am heutigen Abend unter der Überschrift „Spirits“ dieser Bewegung der Menschen hin zu Gott und der Zuwendung zu den Menschen anschließen. „Der Strom des Geistes als die dynamische und kreative Kraft Gottes in unserer Welt beginnt in der Schöpfung, bricht sich in unserem Leben Bahn in der Liebe, die wir als Geschenk empfangen und dankbar weitergeben und fließt zur Vollendung des Unvollkommenen hin zu einem Bereich, den wir Himmel nennen. Diesen drei Bereichen wollen wir mit Licht und Klang nachgehen... Begleiten wird uns ein mittelalterliches Lied der Hildegard von Bingen „O ignis spiritus“: Die „Schöpfung“ begann mit einem Bibel-Zitat Genesis 1,19-10.16.27b...“ Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau schuf er sie.“ Bilder erschienen auf der Leinwand, die die Schöpfung kommentierten, begleitet u.a. von Mahlers „Titan“ und div. einzigartigen Farbkompositionen. Doch mit der Erschaffung des Menschen, kam auch das Böse und das Leid auf die Erde. Besonders ergreifend waren Fotos von Kriegsopfern u.a. auch Szenen und Musik aus Schindlers Liste. Die „Liebe“ wirkte wie ein Balsam auf die Wunden der Leidenden. „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr lieben. Dann werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ Der Chor sang leise das Taizé-Lied „Nothing can ever“. Die Kirche erstrahlt in Regenbogenfarben. Bilder von alten und jungen Paaren, die sich umarmen und ihre Liebe in stillen Gesten bekunden, waren rührend und stimmten nachdenklich besonders die der alten Menschen. Der „Himmel“, wo alles Leid und Schmerzen ein Ende hat, wurde durch die Offenbarung des Johannes 21,1-5a eingeleitet. Es wurden verschiedene Religionen vom Buddhismus über das Judentum (Klezmer Musik) bis zum Islam bildlich verdeutlicht. Die Kirche war vorwiegend in ein dunkles Licht getaucht, das bei der Vorstellung vom Christentum (Orgelmusik) farblich mannigfaltiger und heller wurde. Das Stück endete mit einem Zitat aus dem Lukasevangelium 17,20-21: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch!“ Die Wahl der Musik war eine gelungene Mischung verschiedener Genres. Die Jugendlichen sind nicht nur ideenreich und haben viel Phantasie, sie sind auch gute Sänger, die öfters im Chor auftraten und gute Instrumentalisten: Ein beachtliches Talent bewies der 12-jährige Cellist Jan Armbrust. Unter den Anwesenden waren auch Dechant Klemens Hombach, Peter Gillrath und Carlo Fischer-Peitz, der sich im Namen aller bei der Jugendgruppe herzlichst für diese gelungene Darbietung bedankte. Ein großer Beifall rauschte durch das Gotteshaus, den die Jugendlichen strahlend entgegennahmen. Weitere Aufführungen von „Spirits“ sind geplant am 26. Februar 2005 in Kottenheim b. Mayen und am 12. März 2005 in Kichberg (Hunsrück). Information: Matthias Olzem Telefon: 06744/530.

Leusdorf, 20. Dezember 2004
Ute Bartsch